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Grenzen-Wissenschaften

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Dieses Thema hat 38 Antworten
und wurde 3.115 mal aufgerufen
 Gegenwart
Seiten 1 | 2 | 3
Saraswati Offline




Beiträge: 881

01.02.2010 11:30
#16 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Es genügt nicht, sich nur im Kopf an die Auslöser zu erinnern.
In den Körperzellen sind die Emotionen abgespeichert,
und bei Traumata eben meist verschlossen und abgekapselt.
Bei manchen Therapieformen, wird den Zellen
ein Raum des Vertrauens geöffnet
und die Emotionen können sich entladen.

Und dabei ist es nun sinnvoll
sich klar zu machen, dass es Vergangenheit ist.
Es lohnt also nicht, sich ins Drama reinzusteigern,
wenn sich die Emotion löst, das wäre Retraumatisierung,
sondern man kann in Mitgefühl geschehen lassen,
dass sich die Schmerzen aus der Vergangenheit lösen.
Dann ändern sich einige Muster von allein.
Aber es ist auch sinnvoll, aktiv zu verarbeiten
und zu beobachten, wo die Gewohnheit
sich überholter Muster bedient.

Saraswati

green Offline




Beiträge: 169

01.02.2010 12:12
#17 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

... irgendwie taucht da vor meinem geistigen Auge ein Szenario auf, bei dem sich alle Teilnehmer einer Gruppentherapie heulend in den Armen liegen und in der Pause bei einer Zigarette mit Teetasse in der Hand sich gegenseitig versichern, wie toll und erleichternd das alles war ... und am Montag danach fallen sie bei der erst besten Gelegenheit wieder in ihre wohlbekannten Muster zurück, weil ihnen ein x-beliebiger trigger begegnet ist, als wär nix gewesen. Und melden sich am Dienstag gleich zum nächsten therapeutischen Urlaub an ....

Das gemeine an Emotionen, die aus traumatischen Erfahrungen entstanden sind, scheint mir zu sein, dass sie nicht, wie Saraswati annimmt, "verschlossen und verkapselt" sind, sondern interaktive Wirkung zeigen. Nämlich in Form von Mustern. Und zu diesen Mustern gehört eine Reaktion auf ein Ereignis in der Gegenwart, das aus irgendwelchen Gründen die Qualität eines Startschusses für eine Kaskade von Schmerzvermeidungsstrategien bildet. Nach allem, was ich aus therapeutischen Zusammenhängen bisher so gehört habe, ist die Loslösung vom Triggerereignis eine recht wenig wirksame Methode, die eben nur illusionäre Erleichterung bietet (und in Folge auch noch zu Abhängigkeiten von solchen "Erlösungszuständen" erzeugt, aber das führt hier wohl zu weit ...).
Ich neige inzwischen zu der Annahme, dass die Muster der einzige Ansatzpunkt sind, der uns in der Gegenwart zugänglich ist.
In Analogie zu physischen Vorgängen wäre dann ein Durchbrechen der Muster und die sich daraus ergebende Erfahrung (dass das Muster keine Schmerzen vermeidet) der einzige gangbare Weg.
Die Beseitigung oder Lösung von Emotionen, die viele Ansätze verfolgen, läuft nach meiner Beobachtung immer auf mutierende Muster hinaus, nicht aber auf deren Beseitigung.
Das könnte daran liegen, dass sich Emotionen als diffuse Energien verhalten, die erst durch das Muster Form annehmen und erlebbar werden.

Greenbonoboland

Saraswati Offline




Beiträge: 881

01.02.2010 12:39
#18 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von green
...

Das gemeine an Emotionen, die aus traumatischen Erfahrungen entstanden sind, scheint mir zu sein, dass sie nicht, wie Saraswati annimmt, "verschlossen und verkapselt" sind, sondern interaktive Wirkung zeigen. Nämlich in Form von Mustern. Und zu diesen Mustern gehört eine Reaktion auf ein Ereignis in der Gegenwart, das aus irgendwelchen Gründen die Qualität eines Startschusses für eine Kaskade von Schmerzvermeidungsstrategien bildet. Nach allem, was ich aus therapeutischen Zusammenhängen bisher so gehört habe, ist die Loslösung vom Triggerereignis eine recht wenig wirksame Methode, die eben nur illusionäre Erleichterung bietet (und in Folge auch noch zu Abhängigkeiten von solchen "Erlösungszuständen" erzeugt, aber das führt hier wohl zu weit ...).
Ich neige inzwischen zu der Annahme, dass die Muster der einzige Ansatzpunkt sind, der uns in der Gegenwart zugänglich ist. Emotionen als diffuse Energien verhalten, die erst durch das Muster Form annehmen und erlebbar werden.



Verschlossen und verkapselt sind sie in Form von tatsächlichen
körperlich spürbaren Spannungen und vom Getriebensein
alles zu vermeiden, was den Schmerz erneut aktivieren könnte.

Es stimmt, dass einmaliges Lösen nicht davor schützt,
am nächsten Tag wieder in die gewohnten Muster zu verfallen.
Aber das Lösen ist eine Basis, um sich umzustrukturieren.

In den letzten zehn Jahren hat sich mein Leben sehr gewandelt.
Zum einen durch die Erfahrung regelmäßiger meditativer Stille
zum andren durch (relativ wenige) lösende Behandlungen.

Dazu kommt das aktive Verarbeiten und wache Selbstbeobachtung,
Pflege des Körper-Seelen-Systems durch Reinigung, Bewegung, Entspannung...
also Achtsamkeit auf innere Durchlässigkeit und äußere Geschehnisse.

Dass lösende Prozesse nicht mit einem Wochenende abgeschlossen werden,
liegt schon an der Vielschichtigkeit unsrer Prägungen.
Wir tragen mehr Infos mit uns rum, als vordergründig zu sehen ist.

Saraswati

Die Moira Offline




Beiträge: 230

01.02.2010 14:06
#19 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Roksi

Zitat von Die Moira
Jetzt eher verständlich was ich meine????

jou. Habe jetzt wieder den green gebeten, seine vorherige Argumentation mir aufzuschlüsseln.

Er hat mit seinen Beobachtungen so einige Sachen gezeigt, welche meinen vorherigen Beitrag eigentlich in die Mülltonne treten können.

Schon mein Argument, dass der Wunsch nach Änderung und Auflösung intensiv sein müsste, kann gar nicht stimmen. Denn die schweren Muster schnüren den Willen in der Regel so zu, dass die Kraft der Gedanken blockiert wird und im Endeffekt der Wunsch nach (Er)Lösung gar nicht stark genug in den "Raum" gesendet werden kann.




ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten:
Es werden falsche Wünsche und ein ein falscher Wille suggeriert...
die alles andere überlagern...das wahre ICH, die wahren Wünsche und der wahre Wille
werden schlicht darunter begraben...

Bei massiven Persönlichkeitsstörungen werden diese sogar als völlig normal empfunden
und es löst nur Unverständnis und/oder Wut aus, warum ANDERE das als unnormal empfinden...
und warum man mit der Umwelt nur Probleme hat und überall aneckt...

Zitat
Nach seiner Beobachtung ist es notwendig, die Muster zu kennen. Und zwar es ist wichtig wahrzunehmen, wann genau sie auftreten und wie sie funktionieren. Diese Informationen sind zwar nicht neu. Aber sie sind nur eine der Voraussetzungen, um etwas zu verstehen.


Genau DAS ist ja das Problem...
wahrzunehmen WODURCH bestimmte Verhalten und Emotionen ausgelöst werden

Zitat
Bei psychischen Wunden sieht die Mutation so aus: z.B. am Anfang schreit eine Frau ihre Partner an, weil sie in ihnen irgendwas zu sehen glaubt. Aber später schreit sie auch ihre Kinder an. Und noch später schreit sie auch fremde Menschen an.



Ja...genau das meine ich...

Zitat
Die Folge aus Musterabspielen ist: Realität wird aus dem Muster heraus verzerrt wahrgenommen. Wenn also die Situation auftritt, wobei dieser Muster eingeschaltet und abgespielt wird, reagiert der Mensch genauso, als wäre die Wunde noch da. Weil er immer noch im "Schonungsmodus" lebt. Die wirkliche Gefahr besteht eigentlich schon längst nicht mehr. Aber unbewußt geht der Mensch davon aus, dass er trotzdem in der momentanen Situation verletzt wird. Die Reaktion - er versucht es zu vermeiden. Dabei geht die Lebensqualität völlig flöten, weil bei diesem Muster zwangsläufig alle Attribute abgespielt werden: Panik, Angst, Depression.



Das sehe ich noch ein wenig anders...
Durch die erlernten Muster die aus unglaublichen Schmerzen entstanden
hat sich eine gewisse Gewöhnung an solch kranke Muster eingestellt...
Ergo: Derjenige sucht sich auch immer genau die passenden Partner, Freundschaften usw...
um diese Erfahrungen rein gewohnheitsmäßig weiter durchleben zu können

Das sind unbewußte Reize, die denjenigen anziehen wie der Honig eine Biene
So erklärt es sich z.B. warum Frauen die in der Kindheit vom Alkoholikervater verprügelt wurden
sich als Partner genau solche Männer auch wieder aussuchen
Damit findet eine ständige Wiederholung des in der Kindheit erlebten Traumas statt...
die Bedrohung und Gefahr besteht also sehr wohl auch real weiter
und eben nicht als WÄRE sie noch da...sie IST noch da...
Sie wird förmlich gezielt gesucht und gefunden...

Zitat
Also die therapeuthischen Behandlungen sind, so nach seiner Meinung, auf meiner oberen "klassischen" Schilderung aufgebaut. Und er meint (meiner Ansicht nach, berechtigt), dass diese Art und Weise eher nicht unbedingt zu Erfolgen führt. Eben weil schon nicht erkannt wird, dass die Verletzung eigentlich nicht mehr vorhanden ist.


Genau das stimmt ja eben nicht...
zumindest in vielen Fällen führen solche Traumata dazu,
daß sie permanent neu erlebt werden...
ohne daß die Betroffenen je begreifen, WAS sie dahin treibt
oder daß sie überhaupt etwas Krankhaftes wiederholen...
Sätze wie:"Immer wieder gerate ich an solche Menschen" sind da keine Seltenheit
Es wird nicht erkannt, weil eben die Erinnerung fehlt...

Zitat
In meiner oberen Schilderung habe ich aber den "klassischen" Fehler begangen, dass die Verletzung noch gibt. Naja, zumindest kann ich mich damit beruhigen, dass diesen Fehler die meisten Therapeuten machen. Daraus ist es auch irgendwie logisch, dass z.B. die Eheberater nicht gerade massenweise selber ein glückliches Eheleben vorweisen. Denn sie wissen wohl selbst nicht richtig, wo genau ihre Muster liegen und dass die Verletzungen eigentlich gar nicht mehr da sind. Bei einem Muster reagiert Mensch auf die Illusion der Gefahr.



diese Muster und deren Übertragung in die Gegenwart gelten ja nicht nur für Traumata
sondern für ganz ganz viele Muster, die in der Kindheit erlebt
und unbewußt in der einen oder anderen Form übernommen wurden
sei es nun das übertriebene Gluckenverhalten einer überbesorgten Mutter
oder das notorische Fremdgehen des Vaters...nimm was du willst...

Das Aufschlüsseln, was wir wo von wem aus der Kindheit übernommen haben
oder was wir wo an wem derart ablehnten, daß wir in ein extremes Gegenteilverhalten rutschten
das ist ja eben das Schwierige an der Bearbeitung von Kindheitsmustern
die in allen Familiensystemen stark prägend wirken...
Denn auch die von denen wir sie erwarben (meist die nächsten Verwandten)
werden ja oft total verzerrt wahrgenommen...idealisiert...
und es betrifft im Prinzip jeden...

Man könnte zusammenfassend auch sagen:
Je gesünder das Familiengeflecht aus dem man kommt,
desto größer die Chance, selber gesunde Verhalten zu entwickeln...
umgekehrt gilt aber nun mal eben das Gleiche...
wir empfinden DAS was wir von Klein auf erlebten in der Regel als normal...
und werden dann davon magnetisch angezogen
oder aber wir lehnten es so sehr ab, daß wir extreme Vermeidungsprogramme abspulen
BEIDES führt oft zu total selbstschädigendem Verhalten...
Ohne daß es uns bewußt ist...woher es kommt...

Zitat
Ah, noch zum Mutieren:
Die Mutation kann insoweit fortgeschritten sein, dass eigene Muster für "nicht änderbar und als individuell völlig berechtigt und unantastbar" erklärt werden. In den Partnerschaften werden z.B. die völlig überflüssigen Reaktionen als "das ist meine Natur und berechtigt" deklariert. Bei solchen Mustern, welche ins Leben völlig integriert wurden, ist es wohl am Schwierigsten zu erkennen, wo das Muster ist und wann genau es auftritt, weil es praktisch schon in allen Lebenssituationen zustande kommt. Sprich Person wird nicht nur in bestimmten Situationen (z.B. Partnersuche) unsicher und ängstlich. Sondern auch in anderen Situationen.


ja, die Grenzen sind oft fließend...
weil eben ganz viele dafür sorgen durch Wiederholungen...
daß die Verletzungen quasi immer frisch bleiben...
Hört sich fast pervers an...ist aber so...

Zitat
Der Schlüssel ist dann, zu erkennen, dass keine Verletzung mehr da ist. Sondern nur Muster daraus. Dann hört auch der Spuck auf. Klingt auch irgendwie einleuchtend. Denn eine Ur-Sache für die Verletzung aufzuheben, ist nicht möglich. Dafür muss man nämlich in der Zeit reisen können. Man kann etwas nicht ungeschehen machen. Aber man ist im Stande, die momentane Situation zu ändern.



Leider mußte ich nun am eigenen Leibe (und Seele) feststellen,
daß das Erkennen eben NICHT der Schlüssel ist...
selbst wenn man bewußt wenigstens die Wiederholungen stoppt...
und sich klar macht, daß die Gefahr dadurch wirklich nicht mehr vorhanden ist...
weil man sich nicht mehr in dieselbe begibt
ändert es nichts an der Tatsache, daß Dinge nach oben spülen
Depressionen, Aggressionen und Panikattacken auslösen...
Im Gegenteil:
solange der Mensch immer und immer wieder diesem psychischen Streß weiter ausgesetzt ist,
leidet er zwar Schmerzen...
aber erst wenn er von diesem Streß zur Ruhe kommt...
spülen die Ängste mit aller Macht hoch...

Zitat
In der Gegenwart eben. (oh, und schon sind wir OT )


wieso OT?
Das Thema heißt doch Auswirkungen in der Gegenwart...

Ächz...soviel erstmal von mir dazu...

Liebe Grüße,

Die Moira

green Offline




Beiträge: 169

01.02.2010 15:16
#20 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Die Moira
Das sehe ich noch ein wenig anders...
Durch die erlernten Muster die aus unglaublichen Schmerzen entstanden
hat sich eine gewisse Gewöhnung an solch kranke Muster eingestellt...
Ergo: Derjenige sucht sich auch immer genau die passenden Partner, Freundschaften usw...
um diese Erfahrungen rein gewohnheitsmäßig weiter durchleben zu können


... das ist sicher eine Deutungsmöglichkeit.
Ich gehe eher davon aus, dass nicht der Schmerz gesucht wird. Das tun Menschen nur in seltenen Fällen.
Auch sog. "Kranke" wollen Schmerz vermeiden, das genau führt ja ursprünglich zu den Mustern.

Das Problem bei der Verletzung durch Menschen, die gleichzeitig für Zuwendung "zuständig" sind,
scheint mir eher zu sein, dass eine Kopplung des Schmerzes mit der Bestätigung stattfindet.
Gesucht wird eigentlich die Bestätigung, da sie aber immer in Verbindung mit Schmerz erfahren wurde,
entstand ein Muster, das Schmerz letztlich gleichsetzt mit Bestätigung.
Das ist ziemlich fatal, aber eben keine Sehnsucht nach Schmerzerleben,
sondern als antreibende Kraft die Sehnsucht nach Bestätigung.

Zitat von Die Moira
Das sind unbewußte Reize, die denjenigen anziehen wie der Honig eine Biene
So erklärt es sich z.B. warum Frauen die in der Kindheit vom Alkoholikervater verprügelt wurden
sich als Partner genau solche Männer auch wieder aussuchen
Damit findet eine ständige Wiederholung des in der Kindheit erlebten Traumas statt...
die Bedrohung und Gefahr besteht also sehr wohl auch real weiter
und eben nicht als WÄRE sie noch da...sie IST noch da...
Sie wird förmlich gezielt gesucht und gefunden...


... die ständige Wiederholung ist ein side effect, nicht der Zweck des Musters.
Eigentlich schon fast simpel,
das Muster sieht nach meiner Erkenntnis etwa so aus:

gelb ist Honig, Honig tut weh, Honig schmeckt gut. (Erfahrung)
Da ich nicht ohne Honig leben will wegen des guten Geschmacks, (positive Entscheidung)
muss ich den Schmerz in Kauf nehmen.(Gewinnabschätzung)

es reicht dann also "gelb", um die Kette in Gang zu bringen.
Möglicherweise kommt noch erschwerend dazu, dass Honig als "falsch" empfunden wird, wenn er keinen Schmerz bringt.

Greenbonoboland

sat naam Offline



Beiträge: 48

01.02.2010 17:35
#21 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Roksi
Der Schlüssel ist dann, zu erkennen, dass keine Verletzung mehr da ist. Sondern nur Muster daraus. Dann hört auch der Spuck auf. Klingt auch irgendwie einleuchtend. Denn eine Ur-Sache für die Verletzung aufzuheben, ist nicht möglich. Dafür muss man nämlich in der Zeit reisen können. Man kann etwas nicht ungeschehen machen. Aber man ist im Stande, die momentane Situation zu ändern. In der Gegenwart eben. (oh, und schon sind wir OT )


Ich hab noch nicht alles gelesen aber ich hak mich hier schon mal ein.

Doch das läßt sich aufheben, bzw. zu neutralisieren.
Es läßt sich in der Zeit reisen und zwar visualisierend.....
Man kann es nicht ungeschehen machen, aber man kann es verändern.

Ich bin mal in eine situation meiner kindheit zurückgegangen, wo ich mich in einer bestimmten Situation gefühlsmäßig meiner Umwelt gegenüber verschlossen habe.
Da habe ich genau wieder diese Situation erlebt - gleichzeitg in Gegenwart und vergangenheit.
Da ich mir dessen aber in dem augenblick darüber bewußt war habe ich dann *anders* reagiert und damit meine entscheidung von damals neutralisiert.

Es gibt immer wieder ganze bestimmte Knotenpunkt im Leben wo eine Entscheidung dein ganzes weiteres leben beeinflußt, ohne das du das später noch darauf zurückführen kannst - daraus resultieren dann ganz bestimmte Verhaltensmuster die völlig automatisch ablaufen.
Hinterher fällt es dann einem meist auf, aber das bringt dann nichts mehr weil es eben im nachhinein nicht mehr zu verändern ist - das geht nur im Augenblich selbst
Hier und Jetzt der Gegenwart.
nur da ist dann auch vergagenheit und zukunft eins.
D.h. du erkennst bewußt in der Gegenwart die Vergangenheit und bestimmst damit dann auch die Zukunft.

sat naam Offline



Beiträge: 48

01.02.2010 17:37
#22 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von green
... irgendwie taucht da vor meinem geistigen Auge ein Szenario auf, bei dem sich alle Teilnehmer einer Gruppentherapie heulend in den Armen liegen und in der Pause bei einer Zigarette mit Teetasse in der Hand sich gegenseitig versichern, wie toll und erleichternd das alles war ... und am Montag danach fallen sie bei der erst besten Gelegenheit wieder in ihre wohlbekannten Muster zurück, weil ihnen ein x-beliebiger trigger begegnet ist, als wär nix gewesen. Und melden sich am Dienstag gleich zum nächsten therapeutischen Urlaub an ....


-

Saraswati Offline




Beiträge: 881

01.02.2010 18:13
#23 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von sat naam
Doch das läßt sich aufheben, bzw. zu neutralisieren.
Es läßt sich in der Zeit reisen und zwar visualisierend.....
Man kann es nicht ungeschehen machen, aber man kann es verändern.


Ja, kann ich bestätigen.

Saraswati

Saraswati Offline




Beiträge: 881

01.02.2010 18:16
#24 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von sat naam

Zitat von green
... irgendwie taucht da vor meinem geistigen Auge ein Szenario auf, bei dem sich alle Teilnehmer einer Gruppentherapie heulend in den Armen liegen und in der Pause bei einer Zigarette mit Teetasse in der Hand sich gegenseitig versichern, wie toll und erleichternd das alles war ... und am Montag danach fallen sie bei der erst besten Gelegenheit wieder in ihre wohlbekannten Muster zurück, weil ihnen ein x-beliebiger trigger begegnet ist, als wär nix gewesen. Und melden sich am Dienstag gleich zum nächsten therapeutischen Urlaub an ....


-



Da steckt aber was andres dahinter.
Die Verantwortung abgeben
an Leute, die es "besser wissen".
Sich aufgehoben fühlen...
Infantile Bedürftigkeit.

Solange andre dafür zuständig gemacht werden,
dass ich mich wohl fühle,
kann ich von einem Kurs zum nächsten rennen,
ohne dass "Befreiung" stattfindet.

Saraswati

Die Moira Offline




Beiträge: 230

01.02.2010 20:06
#25 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von green
... irgendwie taucht da vor meinem geistigen Auge ein Szenario auf, bei dem sich alle Teilnehmer einer Gruppentherapie heulend in den Armen liegen und in der Pause bei einer Zigarette mit Teetasse in der Hand sich gegenseitig versichern, wie toll und erleichternd das alles war ... und am Montag danach fallen sie bei der erst besten Gelegenheit wieder in ihre wohlbekannten Muster zurück, weil ihnen ein x-beliebiger trigger begegnet ist, als wär nix gewesen. Und melden sich am Dienstag gleich zum nächsten therapeutischen Urlaub an ....





Da hab ich ja Glück, daß ich bei meiner Therapeutin Einzeltherapie habe
und mit der tiefschürfende Gespräche führe mit dem Ziel die Muster aufzudecken...

Es gibt auch schon mal sehr emotionale Momente
aber das ist ok so ...

Zitat
Das gemeine an Emotionen, die aus traumatischen Erfahrungen entstanden sind, scheint mir zu sein, dass sie nicht, wie Saraswati annimmt, "verschlossen und verkapselt" sind, sondern interaktive Wirkung zeigen.


Ja, sehe ich auch so...
das ist das Fatale daran

Zitat
Nämlich in Form von Mustern. Und zu diesen Mustern gehört eine Reaktion auf ein Ereignis in der Gegenwart, das aus irgendwelchen Gründen die Qualität eines Startschusses für eine Kaskade von Schmerzvermeidungsstrategien bildet.



Nach meiner Erfahrung gibt es aber eben auch die Variante,
daß es der Startschuß für eine Wiederholung der Schmerzen ist...
Wenn ich mich recht erinnere wird das auch Re-inszenierung genannt
Fast wie ein Junkie, der seinen Schuß braucht...

Zitat
Nach allem, was ich aus therapeutischen Zusammenhängen bisher so gehört habe, ist die Loslösung vom Triggerereignis eine recht wenig wirksame Methode, die eben nur illusionäre Erleichterung bietet (und in Folge auch noch zu Abhängigkeiten von solchen "Erlösungszuständen" erzeugt, aber das führt hier wohl zu weit ...).


Eine Loslösung vom Triggerereignis ist doch garnicht möglich, oder?
Ich könnte mir höchstens vorstellen,
daß es sinnvoll ist, das Triggerereignis zu lokalisieren
und das darauf folgende (zwanghafte?) Verhalten abzutrainieren...

Zitat
Ich neige inzwischen zu der Annahme, dass die Muster der einzige Ansatzpunkt sind, der uns in der Gegenwart zugänglich ist.


Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, daß ein Durchbrechen dieser Muster
möglich wäre, mittels "Zurückgehen" zum Ereignis...
und dann das Ganze gedanklich und emotional herumzureißen
(weiß grad nicht wie ich das anders erklären soll)
also quasi ein erneutes Durchleben (mental, astral)
und dabei ein anderes eigenes Verhalten hineinprojezieren...
Fast wie ein gedankliches Ändern der Vergangenheit...

Zitat
In Analogie zu physischen Vorgängen wäre dann ein Durchbrechen der Muster und die sich daraus ergebende Erfahrung (dass das Muster keine Schmerzen vermeidet) der einzige gangbare Weg.
Die Beseitigung oder Lösung von Emotionen, die viele Ansätze verfolgen, läuft nach meiner Beobachtung immer auf mutierende Muster hinaus, nicht aber auf deren Beseitigung.
Das könnte daran liegen, dass sich Emotionen als diffuse Energien verhalten, die erst durch das Muster Form annehmen und erlebbar werden.



Uff...*KreisevordenAugenhat*

Das Problem ist doch, daß die Muster oft garkeine Vermeidung von Schmerz zum Ziel haben...
Ergo: Erstmal muß sowieso eine Bewußtwerdung dieses krankhaften Prozesses stattfinden...
dies heißt aber eben leider nicht,
daß man dann auch zwangsläufig auf andere Reize reagiert als zuvor, wenn man es erkannt hat...
der Reiz, der einen anzieht um zu reinszenieren ist immer noch da...
Man kann ihn höchstens bewußt vermeiden, weil der Verstand es weiß...und dann blockt...
das kostet Kraft und Durchhaltevermögen...
führt aber immer noch nicht zu einer wirklichen Veränderung...
Es bleibt doch nur ein Vermeiden...
das auf Dauer nicht befriedigend sein kann...

Was aber wenn der auslösende Reiz für ein Verhalten unbekannt bleibt???
wie will man ihn erkennbar machen OHNE zurück zu gehen und sich zu erinnern???

Liebe Grüße,

Die Moira

Die Moira Offline




Beiträge: 230

01.02.2010 20:12
#26 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Saraswati


Verschlossen und verkapselt sind sie in Form von tatsächlichen
körperlich spürbaren Spannungen und vom Getriebensein
alles zu vermeiden, was den Schmerz erneut aktivieren könnte.

Es stimmt, dass einmaliges Lösen nicht davor schützt,
am nächsten Tag wieder in die gewohnten Muster zu verfallen.
Aber das Lösen ist eine Basis, um sich umzustrukturieren.

In den letzten zehn Jahren hat sich mein Leben sehr gewandelt.
Zum einen durch die Erfahrung regelmäßiger meditativer Stille
zum andren durch (relativ wenige) lösende Behandlungen.

Dazu kommt das aktive Verarbeiten und wache Selbstbeobachtung,
Pflege des Körper-Seelen-Systems durch Reinigung, Bewegung, Entspannung...
also Achtsamkeit auf innere Durchlässigkeit und äußere Geschehnisse.

Dass lösende Prozesse nicht mit einem Wochenende abgeschlossen werden,
liegt schon an der Vielschichtigkeit unsrer Prägungen.
Wir tragen mehr Infos mit uns rum, als vordergründig zu sehen ist.




Ja, hört sich für mich erstmal stimmig an...

das einzige was mir wiederholt auffällt ist,
daß ihr alle davon ausgeht, daß das Ziel der eingefahrenen Muster
das Vermeiden der Schmerzen sei...
Das ist bei vielen schwer traumatischen Erfahrungen
wie Gewalt oder Mißbrauch definitiv nicht der Fall...
DAS ist ja das krankhafte daran...

Liebe Grüße,

Die Moira

Die Moira Offline




Beiträge: 230

01.02.2010 20:19
#27 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat

... das ist sicher eine Deutungsmöglichkeit.
Ich gehe eher davon aus, dass nicht der Schmerz gesucht wird. Das tun Menschen nur in seltenen Fällen.
Auch sog. "Kranke" wollen Schmerz vermeiden, das genau führt ja ursprünglich zu den Mustern.

Das Problem bei der Verletzung durch Menschen, die gleichzeitig für Zuwendung "zuständig" sind,
scheint mir eher zu sein, dass eine Kopplung des Schmerzes mit der Bestätigung stattfindet.

Gesucht wird eigentlich die Bestätigung, da sie aber immer in Verbindung mit Schmerz erfahren wurde,
entstand ein Muster, das Schmerz letztlich gleichsetzt mit Bestätigung.
Das ist ziemlich fatal, aber eben keine Sehnsucht nach Schmerzerleben,
sondern als antreibende Kraft die Sehnsucht nach Bestätigung.


Bingo...genau das...
Das ist den meisten aber nicht bewußt,
darum springen sie immer wieder auf den gleichen Typ Mensch an,
der ihnen garantiert diese Mischung wieder beschert...
immer wieder in der Hoffnung DIESMAL die Liebe und Bestätigung zu bekommen
OHNE den Schmerz...
Im Prinzip wird immer noch der erste Kampf gefochten, der all das auslöste...

Zitat
... die ständige Wiederholung ist ein side effect, nicht der Zweck des Musters.
Eigentlich schon fast simpel,
das Muster sieht nach meiner Erkenntnis etwa so aus:

gelb ist Honig, Honig tut weh, Honig schmeckt gut. (Erfahrung)
Da ich nicht ohne Honig leben will wegen des guten Geschmacks, (positive Entscheidung)
muss ich den Schmerz in Kauf nehmen.(Gewinnabschätzung)

es reicht dann also "gelb", um die Kette in Gang zu bringen.
glicherweise kommt noch erschwerend dazu, dass Honig als "falsch" empfunden wird, wenn er keinen Schmerz bringt.




Japp...genauso ist es...
Sollte wirklich mal ein Mensch dazwischen sein,
der diesen Schmerz nicht mitliefert,
fühlt es sich falsch und unbefriedigend an...
Es fehlt was...

Liebe Grüße,

Die Moira

Die Moira Offline




Beiträge: 230

01.02.2010 20:23
#28 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von sat naam

Zitat von Roksi
Der Schlüssel ist dann, zu erkennen, dass keine Verletzung mehr da ist. Sondern nur Muster daraus. Dann hört auch der Spuck auf. Klingt auch irgendwie einleuchtend. Denn eine Ur-Sache für die Verletzung aufzuheben, ist nicht möglich. Dafür muss man nämlich in der Zeit reisen können. Man kann etwas nicht ungeschehen machen. Aber man ist im Stande, die momentane Situation zu ändern. In der Gegenwart eben. (oh, und schon sind wir OT )


Ich hab noch nicht alles gelesen aber ich hak mich hier schon mal ein.

Doch das läßt sich aufheben, bzw. zu neutralisieren.
Es läßt sich in der Zeit reisen und zwar visualisierend.....
Man kann es nicht ungeschehen machen, aber man kann es verändern.



Hinterher fällt es dann einem meist auf, aber das bringt dann nichts mehr weil es eben im nachhinein nicht mehr zu verändern ist - das geht nur im Augenblich selbst
Hier und Jetzt der Gegenwart.
nur da ist dann auch vergagenheit und zukunft eins.
D.h. du erkennst bewußt in der Gegenwart die Vergangenheit und bestimmst damit dann auch die Zukunft.




Genau das war auch mein Lösungsansatz...
das Zurückgehen...und gedanklich ändern...

Ob es funktioniert weiß ich allerdings nicht...
Krabat wollte ja eigentlich mal ne Rückführung mit mir machen,
leider kam seine Trennung dazwischen
und mittlerweile ist er ja eher nicht mehr präsent hier...

Liebe Grüße,

Die Moira

sat naam Offline



Beiträge: 48

01.02.2010 20:29
#29 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Saraswati
Da steckt aber was andres dahinter.
Die Verantwortung abgeben
an Leute, die es "besser wissen".
Sich aufgehoben fühlen...
Infantile Bedürftigkeit.

Solange andre dafür zuständig gemacht werden,
dass ich mich wohl fühle,
kann ich von einem Kurs zum nächsten rennen,
ohne dass "Befreiung" stattfindet.


Ja klar - und das ist meistens der fall.
der größte Teil der ganzen Eso-scene mit all ihren auswüchsen lebt darin und davon.

green Offline




Beiträge: 169

01.02.2010 21:21
#30 RE: Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart... Zitat · antworten

Zitat von Die Moira
das einzige was mir wiederholt auffällt ist,
daß ihr alle davon ausgeht, daß das Ziel der eingefahrenen Muster
das Vermeiden der Schmerzen sei...
Das ist bei vielen schwer traumatischen Erfahrungen
wie Gewalt oder Mißbrauch definitiv nicht der Fall...
DAS ist ja das krankhafte daran...



... ich sehe das so: das Muster an und für sich ist NICHT krank.
Es hat eine Aufgabe: es sichert Überleben und vermeidet, dass Schmerz die Betroffenen überwältigt.
Das geschieht in der Regel auf mindestens zwei eng ineinander verschlungenen Wegen
1. dadurch, dass Wirklichkeit umgedeutet wird, umbewertet.
2. dadurch, dass die Schmerzerfahrung verdrängt wird.

Ist die akute Schmerzerfahrung vorbei, bleibt folglich ein Muster, das keine realistische Wahrnehmung gestattet.
Es bleibt aber für sich genommen nicht als Krankheitsbild, es bleibt, weil es Erfolg hatte!!
Die "Erkrankung" besteht eigentlich nur darin, dass die Wirklichkeit andere Muster erfordern würde,
um in ihrer tatsächlich stattfindenden Veränderung wahrgenommen zu werden.

Durch die Divergenz von Wirklichkeit und Muster verändert sich subjektiv die Wirklichkeit.
Da wir uns und unsere Welt aus uns heraus erschaffen,
ist die Folge eines vergangenheitsbezogenen Musters ein Feststecken in der Vergangenheit.
Der Schutz wird zur Falle.

Ich mache die Beobachtung, dass eines der Probleme,
sich von wirklichkeitsnegierenden Mustern zu lösen, die Erwartung ist,
Existenz müsse schmerzfrei sein.
Quasi als Belohnung dafür, dass man ein Muster aufgibt.
Die Belohnung ist aber eigentlich die,
den Schmerz (auch in und vor allem in seinen gegenwärtigen Varianten) wieder zu sehen und ihn nicht umbewerten oder verdrängen zu müssen.
Das mag wenig verlockend klingen, da gerade traumatisierte Menschen eh davon ausgehen, dass sie unter permanenten Schmerzen leiden.
Der Unterschied scheint mir aber zu sein, dass der traumatische Schmerz in Wirklichkeit der Vergangenheit angehört,
also ein reine Emotion ist,
die genau genommen nur noch durch das ursprüngliche Schmerzvermeidungsmuster Energien in die Gegenwart schickt,
während dem aktuellen Schmerz vor Ort begegnet und entgegnet werden kann.
Schmerz als Gefühl ist wirklich und kann eben auch so behandelt werden.

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